Sensoren

Sensorgrößen

Beim klassischen Dia ist die Formatfrage trivial. Bei einem digitalen Fotoapparat oder einer Videokamera gibt es einige entscheidende Faktoren, die den Herstellungspreis bestimmen. Das LCD zur Bildbeurteilung ist solch ein Faktor. Ein anderer ist der Akku und seine Kapazität. Ganz wichtig ist aber auch die Sensorgröße.
Preisbestimmend ist sie dadurch, dass im Fertigungsprozess Dutzende von Sensoren gleichzeitig auf einer Siliziumscheibe mit unveränderlicher Größe, der so genannten „Wafer", belichtet und geätzt werden. Je größer nun ein einzelner Sensor ist, desto weniger passen auf einen Wafer und lassen sich so auf einen Rutsch produzieren.

Das Kleinbildformat ist auch bei den Sensoren der (sehr teuere) Maßstab!

Aber nicht nur das macht die Fertigung von großen Sensoren teuer. Denn durch immer wieder auftretende Unregelmäßigkeiten geschieht es, dass winzige Teile auf der Wafer defekt sind. Sind nun viele kleine Sensoren auf einer Wafer, fallen hier prozentual weniger Exemplare durch die Qualitätskontrolle, als bei einer geringen Zahl großer Sensoren.

Die in den Bildern gezeigten Größenverhältnisse sind rechnerisch entstanden. Außer bei den bekannten Seitenlängen vom Kleinbildfilm (36mm/24mm) und der so genannten APS-Klasse bei den DSLR (22,5mm/15mm), halten sich die Hersteller mit derartigen Angaben sehr bedeckt. Es herrschen Zollangaben vor, die aber keine Größenangaben sind, sondern das Verhalten des Chips zu früher üblichen Videobildröhren beschreiben, die je nach Durchmesser (die Zollangabe) eine unterschiedlich große Nutzfläche aufwiesen. Wer diese Steinzeittechnik nicht mehr erlebt hat, für den sind die Angaben eher wertlos. Deshalb musste ich die fehlenden Chipklassen mit Hilfe von Pythagoras ermitteln.

Für die Jüngeren unter uns: Besagter Pythagoras ist nicht Rechtsaußen von Otto, dem Rehagel, sondern ein alter Grieche aus einer Zeit, als Nachdenken (Philosophie) und Rechnen (Mathematik) noch von einer Person geleistet wurden. Heute sind uns solche Generalisten suspekt, denn wir vermuten natürlich Schwächen in der Tiefe des Wissens bei ihnen.

Für Amateuere und Profis gleichermaßen interessant sind die (APS-Format) DSLRs, wie die aktuellen Canon 300D und 20D. 

Nichtsdestotrotz hat dieser Pythagoras dem rechtwinkligen Dreieck eine richtig wichtig aussehende Formel abgerungen: a²+b²=c². Das ist zwar auch nicht so ganz der Tiefgang von E = m * c², aber zum einen war das wieder so ein Generalist, und zum anderen interessiert uns das hier überhaupt nicht.

Was hat nun ein Dreieck mit unseren Sensorgrößen zu tun? Nun, wer einmal als Kind mit einer Lupe gespielt hat, der hat sicher bemerkt, unabhängig von anderen Dingen, die er je nach Mentalität erfahren hat, dass etwa Ameisen nur eine begrenzte Menge Licht mögen, der Brennpunkt auf dem Knie falsch platziert ist, Scheunen abbrennen und ähnlichen infantilen Dingen, dass die Linse ein kreisrundes Bild projiziert. Dieses kreisrunde Bild wird der Bildkreis genannt.

Um nun zu einem gewohnten Foto zu gelangen, wählen wir innerhalb dieses Bildkreises einen beliebigen rechteckigen Bildausschnitt, dessen Eckpunkte auf dem Kreisumfang liegen.

Die Sensoren der gehobenen DigiCam-Klasse sind gegenüber den DSLR schon deutlich kleiner. Vertreter sind z.B. die Canon PS Pro 1 und die Sony F828.

Durch den Kreismittelpunkt lässt sich nun eine Diagonale zwischen zwei Eckpunkten des Rechtecks ziehen, die gleichzeitig den Durchmesser des Kreises darstellt. Und – voilà – zwei Dreiecke entstehen!

Hier kommt nun der Pythagoras ins Spiel: Den Durchmesser kennen wir, also haben wir auch c²! Also kennen wir auch die Summe der beiden Seiten des Rechtecks – a² + b². Bei einem quadratischen Bild, etwa wie es eine Hasselblad auf Rollfilm liefert, müssten wir nun nur noch diese Summe teilen, und jeweils die Quadratwurzel ziehen, und schon hätten wir die jeweilige Seitenlänge.

Bei einem nicht quadratischen Rechteck ist das etwas komplizierter, denn Sie benötigen das Verhältnis einer der Seiten zu der Diagonalen – jeweils als quadrierte Werte. Glücklicherweise ist dieser Wert konstant. Ich habe ihn an einem beliebigen Rechteck mit von mir gewählten Werten in den Seitenverhältnissen 3:2 (Kleinbild = 1,44) und 4:3 (DigiCam = 1,57) ausgerechnet.

Die Sensoren der DigiCam-Klasse sind noch einmal kleiner. Vertreter sind z.B. die Vertreter der Canon G1-G6-Reihe, die Canon S30-S70 und die größeren Ixus-Modelle.

Nun benötigen wir noch einen weiteren Begriff: Die Normalbrennweite. In der Kleinbildfotografie wird üblicherweise 50 mm als normal angesehen, mathematisch korrekt sind das aber 43,3 mm, nämlich der Durchmesser durch den Bildkreis, in dem ein negativ mit 36 mm und 24 mm Kantenlänge genau Platz findet.

Glücklicherweise geben nun die Hersteller sowohl die genauen Brennweiten ihrer Objektive an, als auch die entsprechende Kleinbildreferenzbrennweite. Das liest sich dann so: 7,2 mm bis 50,8 mm entsprechend 28 mm bis 200 mm bei der Canon PowerShot Pro1. Das ergibt einen Faktor von 3,91 im Mittel und eine rechnerische Normalbrennweite von 11,07 mm (entsprechend 43,3 mm).

Nachdem das Seitenverhältnis mit 4:3 bekannt ist, ergeben 123 (11,07²) geteilt durch 1,57 (unser Faktor für 4:3) 78. Für die andere Seite bleiben dann 123 – 78 noch 44 übrig. Nach dem Wurzelziehen ergibt sich eine Kantenlänge von 8,85 mm zu 6,65 mm.

Selbst große DV-Videokameras, wie die Canon Xl-1/Xl-2 Modelle oder die Sony VX2000/VX2100 haben im Vergleich recht kleine Sensoren, allerdings gleich in dreifacher Anzahl.

Natürlich sind die Nachkommastellen mit Vorsicht zu genießen, denn weder ist gesagt, ob das Seitenverhältnis im Chip wirklich 4:3 ist, oder nachträglich durch Interpolation korrigiert wurde, noch wissen wir, ob die Brennweitenverhältnisse, die der Hersteller angibt, wirklich exakt sind, und vor allem, ob sie über die lange Seite, über die kurze, oder als Mittel angegeben sind.

Was diese ganze Berechnung aber auch zeigt, wie winzig die Chips der Kameras wirklich sind. Dazu kommt, dass sowohl bei den DigiCams viele preiswerte (oder besonders kleine) Produkte deutlich kleinere Sensoren haben als die für die Berechnung benutzten Canon G6 bzw. S70, zu deren Sensorklasse auch die frühen Canon Ixus (etwa 330, 400) gehörten. Und bei den Videokameras gibt es ebenso einen Trend, der zu Sensoren führt, die deutlich kleiner sind als die der berechneten Sony PC 100 (oder dem aktuellen Modell 350).

Die Sensoren der Sony PC 100 sind nicht die kleinsten, die im Bereich DV-Video verbaut werden!

Bei der ebenfalls berechneten Sony VX2000 handelt es sich um die sogenannte 3-Chip-Klasse, die für jede Grundfarbe einen separaten Sensor haben, was die Nutzfläche natürlich verdreifacht! Zu ihr gehört auch die Canon XL-1/XL-2.

Was diese ganzen Fakten, auf die an anderer Stelle erwähnten Lichtquanten übertragen, bedeuten, soll folgendes Beispiel andeuten. Stellen Sie sich vor, Sie sieben aus großer Höhe Mehl auf eine Tischplatte. Auf dieser Tischplatte liegen eine Din-A-4-Seite und eine Briefmarke. Welche ist wohl am Ende mengenmäßig mit mehr Mehl bedeckt?

(An dieser Stelle würde ich mich besonders über ein Feedback von Herstellern freuen, falls sie auf diese Seiten stoßen!)

Und was bedeutet das in Zahlen und Fakten? Während das so genannte APS-Format bei den für Amateure und Profis gleichermaßen interessanten DSLR mit „Verlängerungsfaktor 1,6" noch knapp 40% der Fläche eines Kleinbildfilms hat, sind es bei den „ambitionierten" DigiCams nur noch knapp 7%! Die üblichen DigiCams weisen gar nur etwa 4,5% der Kleinbildfläche auf. Eine gehobene DV-Videokamera der 3.000 Euro-Klasse liegt bei 2%!Richtig klein sind marktübliche DV-Videokameras, deren Sensoren deutlich unter einem Prozent der Kleinbildfläche abdecken.

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Diascanner

Dias scannen mit der DigiCam

Wer aus analogen Fototagen noch viel Diamaterial in das Computerzeitalter hinüber retten will, der steht vor einem Dilemma.

Die besten Ergebnisse erreicht man natürlich mit einem dafür konstruierten Filmscanner. Diese Geräte liefern ein hervorragendes Ergebnis. Sie lassen sich auf das Filmmaterial einmessen und produzieren hervorragende TIFF-Dateien in astronomischer Größe, die für jede Form der Weiterverarbeitung eine ausgezeichnete Basis darstellen.

Wegen dieses Qualitätsarguments steht auch auf meinem Schreibtisch so ein Gerät mit SCSI-Anschluss.
Nur, wenn ich keine A3-Ausbelichtung im Fotosatz benötige, sondern ein Dia für eine Web-Site verwenden will, oder eine Dia-Show auf DVD brennen, dann ist das ein wenig wie mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Wer einmal 30 Diamagazine mit einer Scan-Zeit von 3 Minuten pro Dia digitalisiert hat, der hat vor allem eins bewiesen: Geduld.
Es muss doch auch einfacher gehen?

Es muss doch auch einfacher gehen? Und es geht! Mit einer handelsüblichen DigiCam und einer optischen Bank aus FischerTechnik. Die „Scan-Zeit“ beträgt etwa 1/30 Sekunde. Die Auslösung erfolgt bequem über den Computer und die Handhabung der Dias bleibt gegenüber dem Filmscanner gleich: Dia einlegen – Computer scannen lassen – Dia tauschen.

Die Güte der optischen Bank, die wir mit FischerTechnik-Bordmitteln erreichen können, ist sicherlich nicht für hochpräzise Aufgabenstellungen geeignet, aber für ein paar Digitalisierungen in DVD-Qualität, eine Glückwunschkarte oder die Web-Site reicht sie allemal.

Wichtig ist, dass Sie dort, wo sie Bildbühne, Objektiv und Kamerahalterung später verschieben wollen, die Steine mit einer durchgängigen Fuge aneinander reihen.

Den „Montageflansch“, der das spätere seitliche Ansätzen von Teilen ermöglicht, sollten Sie immer auf die Seite setzen, an denen keine verschiebbaren Komponenten montiert sind.

Zur Erhöhung der Stabilität hat es sich bewährt, eine Metallstange, wie sie bei FischerTechnik etwa für die Achsen Verwendung findet, einzuschieben.

Beginnen sollten wir mit einer stabilen Kameraauflage, die Sie um Ihr Modell herum stricken. Ich habe meine Versuche mit einer Canon IXUS gemacht, für die ich eine kleine Sitzbank gebaut habe, die mit roten Verkleidungplatten ausgelegt wurde.

Da etwa die IXUS nicht über eine Naheinstellgrenze verfügt, mit der sich ein Dia formatfüllend abbilden ließe, benötigt man eine Zwischenoptik. Ich habe mich, weil im Haushalt verfügbar, für das Objektiv meines Diaprojektors entschieden.

Die Schienen der „optischen Bank“ wurden in der Länge so gewählt, dass mit dem Verschieben des Objektivs das Dia in den Schärfebereich der Kamera rutschte. (Die Kamera signalisiert übrigens auch bei diesem Aufbau, wann sie korrekt scharfstellen kann.)

Der Schienenabstand der optischen Bank bildet sich aus dem Auflagemaß der Linse, ist also durch den Durchmesser des Objektivs bestimmt.

Nun müssen optische Bank und Kamerauflage so gegeneinander verschiebbar sein, dass die Kamera durch die optische Mitte des Zusatzobjektivs blicken kann.

Für die verschiedenen Baugruppen habe ich unterschiedlich eingefärbte Bausteine benutzt. Für die Funktionalität spielt das natürlich keine Rolle.

Die dritte Komponente ist die Bildbühne. Bildbühne und optische Bank mit Kamerahalterung müssen nun wiederum so gegeneinander verschiebbar sein, dass der Blick der Kamera durch das Zusatzobjektiv den gesamten Ausschnitt des Diarahmens erfasst.

Zu diesem Zweck habe ich mir ein „Testdia“ mit Millimeterpapier gebaut, deren Kästchen dann am Bildschirm ausgezählt werden können. Wenn Sie horizontal 3,5 cm und vertikal knapp 2,5 cm erfassen, dann haben Sie hinreichend genau eingestellt.

Ein, zwei Kabelbinder halten dann das Objektiv sicher auf der optischen Bank in der gewünschten Position.

Eine Milchglasscheibe habe ich aus Transparentpapier und einem Rahmen aus Statikbausteinen gebaut. Die roten Statikverbinder halten das Papier sauber in Position.

Nun müssen Sie eine Entscheidung treffen: Das Seitenverhältnis des Kleinbildfilms ist 3:2, während kompakte Digitalkameras ein Seitenverhältnis 4:3 haben.

Sie können also entweder oben und unten einen Streifen vom Diarahmen mit erfassen, den Sie später in der Bildbearbeitung wegschneiden (Photoshop, PaintShop pro und ImageMagick machen so etwas auf Wunsch automatisch), oder Sie verzichten auf ein wenig vom linken und rechten Rand Ihres Dias.

Hochformatige Aufnahmen fotografieren Sie so ab, als wären Sie Querformat und drehen das Ergebnis anschließend am Computer.
Ausgelöst wird bequem per USB-Kabel vom Computer aus.

Ich habe so 5.000 Dias an einem verregneten Nachmittag in der Auflösung 1.600*1.200 geschafft. Für das anschließende automatische Nachbearbeiten hat meine Bildbearbeitung danach noch etwa zwei Stunden gerechnet, aber da war ich bereits vor dem Fernseher…

Wenn Sie statt mit einer DigiCam mit einer digitalen Videokamera arbeiten, können Sie wegen der viel ausgeprägteren Makrofunktion auf die Zwischenoptik verzichten…

Ach ja, aufräumen musste ich hinterher natürlich auch noch…

Wie viel Pixel braucht der Mensch?

Sind 8-MegaPixel Grund genug zum Wechsel? In den Tagen, an denen ich diese Zeilen schreibe (Sommer 2004), liegt das neue erreichte Ende der Fahnenstange der DigiCams bei 8-MegaPixel. Ist das jetzt genug? Kann man da endlich investieren, oder soll man doch noch warten? Wann lohnt es sich, von der analogen Filmfotografie ins digitale Lager zu wechseln? Ich beschäftige mich nun seit 1984 mit PCs und kann Ihnen sagen, dass es keine konstruktive Schwelle gegeben hat, gibt oder geben wird, die eine Kaufentscheidung rein technisch begründet.

Ich beschäftige mich nun seit 1984 mit PCs und kann Ihnen sagen, dass es keine konstruktive Schwelle gegeben hat, gibt oder geben wird, die eine Kaufentscheidung rein technisch begründet
Einen Kauf sollten Sie dann tätigen, wenn Sie Verwendung für oder Freude an einem solchen Gerät haben, es unmittelbar nach dem Kauf benutzen können und sich nicht zu sehr grämen, wenn Sie beim Verlassen des Geschäfts bereits den Dekorateur im Schaufenster neue Preisauszeichnungen anbringen sehen.

Panta rhei – die Preise in der Unterhaltungsindustrie gehen den Bach runter!

Übertragen auf die Fotografie bedeutet das: Die Tatsache, dass die Entscheidung von Otto Barnack für seine Fotoexperimente auf Kinofilm zurückzugreifen, zu einem seit fast hundert Jahren bestehendem De-Facto-Standard in der analogen Fotografie geführt hat, lässt sich so nicht auf die digitale Welt übertragen.

Die Kosten bei der Sensorherstellung haben zwar bei den Sensoren mehrere mehr oder weniger genormte Größenklassen entstehen lassen, die auch mehr über die Qualitätseinstufung aussagen, als die Pixelzahl allein. Doch die Chipgröße spielt leider in Werbung und Marketing eher eine untergeordnete Rolle und ist meist tief in den Prospekten verborgen. Zudem sind andere Fertigungsparameter nicht minder entscheidend und werden meist gut vor neugierigen Fragen der Käufer verborgen.

Es wird in der digitalen Welt wohl nie den MegaPixel-Wert geben, der dann wie der Kleinbildfilm über Jahrzehnte hinweg zum De-Facto-Standard avancieren wird. Ihr digitales Fotoalbum wird über die Jahre hinweg Bilder in unterschiedlichen Qualitäten aufweisen, und das nicht nur, weil Ihre Kenntnisse zunehmen. Die Auflösung wird weiter im Fluss sein, und Sie werden entweder irgendwann anfangen, digital zu fotografieren, oder Sie lassen es. Für beides gibt es gute Gründe.

Für die digitale Fotografie spricht: Die Bilder sind sofort verfügbar, lassen sich per eMail verschicken, drucken und auf T-Shirts bügeln, wenn Sie wollen. Statt mit Dias quälen Sie Ihre Zuschauer mit multimedialer Langeweile entweder am Computer oder am Fernseher mit mitnahmefreundlicher DVD.

Wenn die Qualität Ihrer Kamera (Sensorgröße) es zulässt, dann können Sie mit einer Filmempfindlichkeit von 100 ASA am Strand fotografieren und beim abendlichen Candle-Light-Dinner auf 800 ASA hochschalten, ohne Film oder Kamaragehäuse zu wechseln. Aber zurück zur Frage: Sind viele Pixel nun immer erstrebenswert, und wo kann man anfangen, gelassener an die Sache heran zu gehen? Im journalistischen Umfeld werden Aufnahmen digitaler Vollformat-DSLR-Kameras mit derzeit bis zu 16-MegaPixel-Auflösung benutzt, um in Wochenmagazinen Doppelseiten zu gestalten. Das wäre dann etwa DIN A3.

Mit Kameras der 4 oder 5 MegaPixel-Klasse sind Sie für ein übliches Amateur-Foto-Leben schon ganz gut gerüstet. (Bei einer DSLR der 3 MegaPixel-Klasse wären Sie einer 4 oder 5 MegaPixel DigiCam sogar überlegen!)

Vergessen Sie bitte auch die theoretisch möglichen Auflösungen eines Kleinbildnegativs (bis zu 25 MegaPixel), wenn Sie nicht grundsätzlich a) für ein einzelnes Objektiv mehr ausgeben, als für die Kamera, Sie b) grundsätzlich mit Stativ fotografieren und zwar c) auf einen Film der 8-Euro-Klasse, den Sie d) in einem Profi-Fachlabor entwickeln lassen. Ein Film vom Grabbeltisch, mit einem Wald-und-Wiesen-Objektiv belichtet und über den Über-Nacht-Express-Service weiterbearbeitet, bleibt bei 5 MegaPixeln stecken. – Basta!

8-MegaPixel sind natürlich zunächst mehr. Mehr an horizontaler Auflösung und mehr an vertikaler Auflösung. Wie viel mehr, überlasse ich Ihren Rechenkünsten; das gängige Seitenverhältnis ist 4:3. Bedenken Sie aber auch, dass diese zusätzlichen Pixel auf einer gleichgroßen Sensorfläche untergebracht werden müssen. Die einzelnen lichtempfindlichen Bereiche werden mit jeder Mega-Generation also immer kleiner. Das wirkt sich dann negativ aus, wenn wenig Licht zur Verfügung steht, Sie also in der Dämmerung fotografieren wollen. Dann nämlich stellen Sie fest, dass mehr Pixel auch mehr rauschen.

Und noch etwas kommt hinzu: Die Generationen neuer Fotosensoren schreiten schneller voran, als die Bereitschaft der Kamerahersteller gleichzieht, diesen Sensoren neue Objektive zu spendieren. Mitunter gibt es Modelle, bei denen der alte Sensor bessere Resultate geliefert hat, einfach, weil die Kombination von Sensor und Objektiv besser harmonierte.

Tipp: Schauen Sie bei ebay rein. Wenn ältere Modelle einen höheren Preis erzielen als das aktuelle Modell des Herstellers, dann hat das Objektiv in der Regel seinen Zenit überschritten!

Heute, da ich diese Zeilen in die Tastatur hacke (Sommer 2004), sind die 8-MegaPixel-Sensoren (bei den DigiCams, nicht bei den DSLR!!) soweit an der Grenze des technisch Machbaren, dass ich mir persönlich lieber eine ältere Generation zulegen würde, deren Verhalten im Grenzbereich weniger kapriziös ist. Nächstes Frühjahr kann diese Einschätzung durch Weiterentwicklung bei den Signalprozessoren bereits wieder überholt sein.

Und wo ist das Fazit? Wenn Sie Lust an der digitalen Fotografie haben, fangen Sie an! Jetzt, unmittelbar! Was es jetzt zu kaufen gibt, ist – sofern es aus seriöser Quelle stammt – durch die Bank nutzbar. Lernen Sie aber damit zu leben, dass es morgen bereits etwas – scheinbar – besseres gibt.

Ein Fotoapparat ist keine Geldanlage (mehr)!

Und vergessen Sie das Anlage-Prinzip. Eine digitale Kamera ist keine Wertanlage, selbst wenn Sie über Ihre finanzielle Schmerzgrenze hinausgegangen sind. Das Ding ist in ein paar Jahren keinen Pfifferling mehr wert, egal welches Markenlogo darauf prangt! (Auch wenn alte Leicas heute bei Versteigerungen Wahnsinnspreise erzielen, wird niemand in 50 Jahren ein entsprechendes digitales Pendant egal welchen LifeStyle-Herstellers haben wollen, für das es keinen Akku mehr gibt!)

Nutzen Sie eine Kamera jetzt! Machen Sie schöne Bilder, die Sie und Ihre Mitmenschen erfreuen! (Und löschen Sie die weniger schönen, damit Sie die wirklich schönen auch wiederfinden!) Erforschen Sie Ihre Leistungsgrenzen und die Ihrer Kamera. Und wenn Sie irgendwann die Lust nach etwas neuerem, besseren und glänzendem packt, kaufen Sie diese Kamera, wenn Sie sich dazu nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen müssen. (Denken Sie daran, eine digitale Kamera ist ein Gebrauchsgegenstand, und keine Investition! – Es sei denn Sie sind die Deutsche Presseagentur und wollen 1.000 DSLR-Gehäuse kaufen; dann sind Sie aber auf diesen Seiten falsch!)

Die alte Kamera können Sie wahlweise Ihrem Enkel überlassen (die sind aber heute auch schon sehr anspruchsvoll) oder ins Auto legen, falls Ihnen einmal beim Rechts abbiegen ein unachtsamer Linksabbieger den Vorrang nimmt…

Und wenn Sie plötzlich meinen, mit Ihren Fotos Lastwagen illustrieren zu müssen, dann sind entweder die 16-MegaPixel einer Profi-DSLR auch nicht ausreichend, oder Sie nutzen den Computer, um zu tricksen, indem Sie sich etwa überlegen, dass niemand das Bild auf dem Sattelzug aus 20 cm Nähe betrachten wird! Denn dann können Sie einfach die Pixel größer machen… (Oder korrekter, durch eine sinnvolle Funktion, etwa Splines, entsprechend interpolieren.)

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